W02: Technik vielfältig denken – Zukunft gerechter lenken
Entgegen der fortschreibenden Erzählung von Technikneutralität und daten- und KI-basierter Objektivität zeigen zahlreiche empirische Studien – zu automobilen Sicherheits- und Gesundheitsrisiken durch normierte Crash-Test-Dummies, zur Benachteiligung von Frauen und älteren Arbeitssuchenden bei der daten- und KI-gestützten Job- und Weiterbildungsvergabe bis hin zur systematisch höheren Einschätzung der Strafrückfallwahrscheinlichkeit bei People of Color – die Konsequenzen einer geschlechter- und diversitätsblinden Wissenschaft und Technikentwicklung. Doch was hat die anhaltende männliche Dominanz unter den Studierenden und Professor:innen sowie die technik-ökonomische Ausrichtung der Lehrinhalte ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge damit zu tun?
Der Workshop lädt ein, die Technik-/ Ingenieurwissenschaften auf den gesellschafts- und geschlechterkritischen Prüfstand zu stellen. Wir begeben uns auf eine spannende Selbst- und Standortreflexion, die offenlegt, wie unsere persönlichen Lebens-, Ausbildungs- und Berufswege, unser Denken, Sein und Handeln – sei es im Alltag, am Arbeitsort oder in der Wissenschaft – mit den gesellschaftlichen Verhältnissen in Wechselwirkung stehen. Anhand von konkreten Beispielen wird gezeigt, wie die bewusste Reflexion und Berücksichtigung von Geschlechter- und Diversitätsaspekten in der (technischen) Forschung und Entwicklung zu sozial gerechteren und nachhaltigeren Ergebnissen und Anwendungen führen, die sich an der Vielfalt der Gesellschaft orientieren.
Mit Bitte um Erwähnung
Der Workshop zeigt einen exemplarischen Ausschnitt aus dem aktuell an der TU Dresden durchgeführten, mit Mitteln der EU und des sächsischen Landeshaushalts geförderten Projekt „SustainING. Sozial- und umweltgerechte Ingenieurwissenschaften am Beispiel des Maschinenbaus“ [100774216], das sich für eine Integration sozialer und ökologischer Perspektiven in die Lehre der schwerpunktmäßig technik-ökonomisch ausgerichteten männlich dominierten Ingenieurwissenschaften einsetzt.
Die Referentin: Sandra Buchmüller
Sandra Buchmüller studierte an der Köln International School of Design und promovierte an der Universität der Künste Berlin. Sie arbeitete als freie UX-Designerin für verschiedene Telekommunikationsunternehmen und Institutionen. Als Designforscherin brachte sie ihre Expertise aus den Gender Studies, den Feminist Science and Technologie Studies und der partizipativen Designforschung in Projekte an unterschiedlichen Hochschulen und Forschungsinstituten ein (Design Research Lab, UdK Berlin; Fakultät Mathematik & Informatik, Universität Bremen; Professur „Gender, Technik, Mobilität“, Fakultät Maschinenbau, Technischen Universität Braunschweig). Aktuell ist sie Mitarbeiterin des Projekts „SustainING“ an der TU Dresden, wo sie sich für eine sozial- und umweltgerechte Ingenieurwissenschaft und darüber hinaus für die Sichtbarkeit und strukturelle Stärkung der Geschlechterforschung in der Technikentwicklung und in Sachsen einsetzt.